‘Grundlagen des Lernens’

Basiskenntnisse, wie man richtig lernt.



Basiskenntnisse, wie man richtig lernt.

Abschreiben als falsche Lerntechnik

Samstag, Februar 10th, 2018



Eine völlig nutzlose Arbeitstechnik ist das wiederholte Abschreiben von Texten. Leider wird diese falsche Lerntechnik noch immer tradiert und sogar von LehrerInnen empfohlen.
Abschreiben ist aber eine völlig nutzlose und daher keine sinnvolle Lerntechnik, da man beim Abschreiben jedem Aspekt eines Lernstoffes die gleiche Aufmerksamkeit widmet, d. h., jedes Bindewort oder jedes Füllwort erhält die gleiche BEdeutung.
Für effizientes Lernen ist aber angebracht, das für eine Prüfung Relevante herauszufinden und zu betonen, das Irrelevante hingegen weniger zu beachten oder gar zu streichen.
Darüber hinaus wird durch Abschreiben der Lernstoff unangemessen aufgebläht, sodass er dem Lernenden ungeheuer groß vorkommt, wobei das Wesentliche des Inhalts, also das, was man lernen sollte, in wenigen Sätzen oder Merkwörtern zusammengefasst werden kann!
Kurioses zum Thema: Der Schriftsteller Karl May wuchs in einer armen Weberfamilie auf und sein Vater wollte, dass er es später einmal besser hat und das ging nach dessen Meinung nur über Bildung. Also musste Karl May lernen, lernen, lernen, und zwar brachte brachte sein Vater alte Gebetbücher, Rechenbücher, Naturgeschichten und gelehrte Abhandlungen nach Hause, also vermutlich alles, was er finden konnte. Karl May musste es lesen oder teilweise abschreiben, weil sein Vater dachte, dass er es dadurch besser behalten könnte. Obwohl er von den vielen Texten oft kein Wort verstand, musste er nach eigenen Angaben ganze Tage und halbe Nächte lang dieses „unnötige Zeug“ in seinen Kopf packen.
Literatur & Quellen
Stangl, W. (2018). Falsche Lernstrategie Nummer 1: Wiederholtes Lesen. Werner Stangls Texte zum Lernen.
WWW: http://lerntipps.lerntipp.at/falsche-lernstrategie-nummer-1-wiederholtes-lesen/ (2014-08-10).


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Schreiben vs Tippen

Dienstag, Januar 23rd, 2018



Im modernen Alltag nimmt der Umgang mit der Tastatur eine immer größere Bedeutung ein, allerdings vermuten manche Experten motorische Einbußen, wenn der Bleistift oder die Füllfeder vermehrt gegen die Tastatur eingetauscht werden. Durch die zunehmende Digitalisierung tritt vor allem bei Kindern das Schreiben mit der Hand immer mehr in den Hintergrund, und sie haben später daher oft große Schwierigkeiten, mit der Hand zu schreiben. Früher lernten GrundschülerInnen die Handschrift mit viel Drillübungen, wobei noch vor den ersten Leseübungen Tafeln und Hefte seitenweise mit geschwungenen Buchstaben gefüllt wurden, doch heute lernen Kinder meist gleichzeitig Lesen und Schreiben und das zuerst mit Druckbuchstaben. Erst später übt man die Schreibschrift, sodass es zu einer feinmotorischen Verarmung kommt, denn in Tests zeigt sich, dass viele SchülerInnen der ersten Klasse nicht in der Lage sind, eine Plastillinstange weich zu kneten oder feine Schneideaufgaben zu erledigen. Das liegt daran, dass die Hand ein hochkomplexer Apparat mit über dreißig Muskeln ist, dessen Steuerung gelernt werden muss, was bei einem Verzicht auf Übungen zur Schreibmotorik nicht ausreichend geschieht. Offenbar führt auch die meist sehr frühe Nutzung von Smartphones und Tablets nicht zu einer entsprechenden Schulung der Feinmotorik. Das fehlende Schreiben mit der Hand hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Schreibkompetenz allein, sondern auch auf das Denken. Studien belegen, dass beim Tippen die Aktivitäten im Gehirn viel geringer sind als beim Schreiben mit der Hand, denn beim Schreiben mit der Hand wird das Gehirn ganzheitlich aktiviert. Das Schreiben auf einer Tastatur hinterlässt keine oder nur wenige Spuren im Ablaufgedächtnis bzw. dem motorischen Gedächtnis. Kinder, die mit der Hand schreiben, können auch ihren Unterrichtsstoff viel besser erlernen und verstehen, denn ihr Gehirn wird insgesamt stärker stimuliert. Das wirkt sich apäter auch dann besonders fatal aus, wenn in der Schule gefordert wird, Arbeiten einmal mit der Hand zu schreiben.

Von Hand zu schreiben verbessert also auch die Merkfähigkeit, denn meist prägt man sich beim Schreiben einen Inhalt erst richgig ein. So ist etwa die Übertragung neuer Wörter einer aktuellen Fremdsprachenlektion ins Vokabelheft weit mehr als lästige Fleißarbeit, denn die Wendungen werden gleichzeitig ins Gedächtnis geschrieben, und zwar viel besser, als es das Tippen auf einer Tastatur je leisten kann. Wer ein Wort von Hand schreibt, vollzieht den kompletten motorischen Prozess, Buchstabe für Buchstabe nach, bis das Wort entstanden ist. Viele Geräte wie das iPad geben nach drei Buchstaben bereits eine Auswahl mit den wahrscheinlichsten Varianten, sodass man gar kein vollständiges Wort mehr schreiben muss, entsprechend prägt sich die Schreibweise eines komplizierteren Wortes wesentlich schlechter ein.
Zahlreiche Studien der letzten Jahre bestätigen diese Einschätzung bei Schulkindern, aber auch Erwachsene profitieren davon, wenn sie mit Stift statt Tastatur lernen. Handschriftliche Notizen beflügeln oft das Gedächtnis und die Kreativität, denn vermutlich werden beim Erinnern die Schreibbewegungen im Geiste nachvollzogen. Dieser Effekt kommt auch dann zum Tragen, wenn man versucht, sich an eine Schreibweise zu erinnern, und dafür das Wort niederschreibt oder mit dem Finger in die Luft malt.
Auch StudentInnen nehmen mehr aus einer Vorlesung mit, wenn sie sich handschriftliche Notizen machen, als wenn sie ihre Mitschrift am Computer eingeben. Man kann daher davon ausgehen, dass die gesamte kognitive Entwicklung von Kindern durch das Schreiben stärker befruchtet wird als durch das Tippen, wobei neben dem Erinnerungsvermögen und der Fähigkeit zur korrekten Rechtschreibung auch Vorstellungskraft und Kreativität davon profitieren.

Aus eigener Erfahrung weiß der Autor dieser Seiten, das StudentInnen bei umfangreichen Prüfungen, bei denen mehrere Stunden mit der Hand geschrieben werden muss, schon nach kurzer Zeit Krämpfe auftreten, da sie das nicht mehr gewohnt sind. Ich empfehle daher allen StudentInnen, sich auf solche Prüfungen auch damit vorzubereiten, indem man längere Briefe mit der Hand schreibt oder längere Zusammenfassungen von Lernstoffen.

Anne Mangen am Zentrum für Leseforschung der Universität Stavanger hat herausgefunden, dass das Schreiben mit der Hand einen Lernprozess verstärkt, denn hierbei werden Motorik, Haptik und Wahrnehmung miteinander verknüpft. Schließlich sind beim Lesen und Schreiben viele Sinne beteiligt, wobei beim Schreiben mit der Hand das Gehirn sowohl eine Rückmeldung von der motorischen Aktivität als auch von den Sinnen erhält, die das Schreibgerät und das Papier im wahrsten Sinn des Wortes begreifen. Auch der Blick ins Gehirn von schreibenden Personen zeigte, dass handschriftliches Schreiben eine Art motorische Erinnerung hinterlässt, wodurch die Erinnerung an das Geschriebene später leichter fällt. In einem Experiment mit zwei Gruppen, in denen den ProbandInnen die Aufgabe erhielten, Briefe in einer unbekannten Schrift, bestehend aus rund zwanzig Buchstaben, zu schreiben. Eine Gruppe schrieb mit der Hand, während die andere mit Hilfe einer Tastatur die Texte verfasste. Drei und sechs Wochen später wurde die Erinnerung an diese Briefe getestet. Diejenigen, die die Briefe mittels Handschrift gelernt hatten, waren in der Erinnerung an das Schreiben wesentlich erfolgreicher. Die sensomotorischen Komponente beim Schreiben bildet offenbar einen integralen Bestandteil des Lernprozesses. Vermutlich spielt aber auch die Zeit eine Rolle, denn wenn man mit der Hand schreibt, dauert es länger, als wenn einen Text über eine Tastatur eingibt.

Quelle

http://www.spektrum.de/news/wie-lernt-man-am-besten-handschrift/1347103 (15-11-12)



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Schlüsselwörter zur Verbesserung der Konzentration

Montag, Januar 22nd, 2018



Wer etwas lernen muss, kennt dieses Phänomen: mitten im Lernen beginnen die Gedanken abzuschweifen. Das muss nicht immer mit einer akuten Ablenkung zu tun haben, auch nicht mit Müdigkeit, sondern einfach mit der normalen Funktionsfähigkeit des Gehirns, das bekanntlich schon während des Lernens versucht, den gerade bearbeiteten Stoff in die Gehirnwindungen zu bringen. Mit einem kleinen Trick kann man sich dabei unterstützen, die Gedanken wieder zum Stoff zurückzuführen. Dafür sucht man sich am Beginn des Lernens ein Schlüsselwort für diesen Stoff, am besten ein Wort, das direkt mit dem Lernstoff zu tun hat – also wenn man einen Geographiestoff über Australien lernt, bietet sich das Wort Australien aber auch das Wort Känguru an. Wenn dann während des Lernens die Konzentration nachlässt, man sich abgelenkt fühlt oder die Gedanken zu wandern beginnen, dann wiederholt man dieses Schlüsselwort mehrmals leide oder auch laut, bis die Gedanken wieder zum aktuellen Thema zurückkehren.
Ein solches Schlüsselwort hat auch den Vorteil, dass es assoziativ mit dem jeweiligen Stoff verknüpft wird, was später beim Erinnern auch die damit verknüpften Inhalte wieder ins Gedächtnis ruft.

Wortkunde: Assoziation bezeichnet in der Psychologie die Verknüpfung von Vorstellungen, von denen die eine die andere hervorgerufen hat.



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© Werner Stangl Linz 2018