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Lernen in den Ferien? Der Ferieneffekt

ferieneffekt-ferien-lernenEs ist verständlich, dass Kinder in den Ferien keine Schulhefte oder Schulbücher in die Hand nehmen möchten, wobei besonders Kinder mit schlechten Noten emotionale Probleme mit der Schule haben und die Ferien dafür brauchen, um Abstand von der Schule zu gewinnen. Müssen sie daher in den Ferien auch noch für die Schule lernen, wächst nur ihre Abneigung gegen die Schule und sie gehen mit einem noch schlechteren Gefühl in das neue Schuljahr. Statt Unterrichtsstoff in den Ferien zu büffeln, gibt es gerade in dieser Zeit viel bessere Möglichkeiten, Kinder zu fördern, denn Eltern sollten nicht unterschätzen, wie viel Kinder etwa auch durch Spiele oder Ausflüge lernen können. Solche sinnlichen Erfahrungen wirken oft viel nachhaltiger als bloßes Büffeln von Lehrstoff. Man sollte daher Kinder ermutigen, in den Ferien zu lesen, auch wenn es Comics sind, denn auch diese fördern die Lesekompetenz. Oder vielleicht kann man Kindern den Auftrag geben, ein Reisetagebuch für den Famlienurlaub zu führen oder in dieser Zeit die Urlaubskasse der Familie zu verwalten. Oder die Famlie mit Informationen zur Urlaubsroute zu versorgen …

In manchen Fällen kann „richtiges Lernen“ aber durchaus sinnvoll sein, doch es kommt wie in vielem auf die richtige Dosis an, denn Ferien zu einer zweiten Schulzeit zu machen, stellt den Sinn von Ferien auf den Kopf. Kinder haben frei, weil man davon ausgeht, dass sie in diesem Altern Erholungszeit brauchen, denn die Schule war eine Phase, in der sich die Kinder konzentrieren und anstrengen mussten. Jeder Arbeitnehmer hat schließlich Anspruch auf Urlaub, daher brauchen auch Kinder Zeit zum Entspannen, Durchhängen und einfach Genießen. Ferien sind grundsätzlich wie Urlaub und im Urlaub arbeiten auch Erwachsene in der Regel nicht für ihren Job – Manager mit Hang zum Workaholic einmal ausgenommen ;-

Als Grundregel für das Lernen gerade in den Ferien gilt: Verteilt lernt es sich effektiver als massiv, d.h., wer jeden Tag zwei Stunden lernt, merkt sich den Schulstoff besser, als jemand, der jeden dritten Tag acht Stunden lang über den Schulbüchern sitzt. Jüngeren Schülern hilft ein Lernplan, sich zu organisieren, wobei man am besten gemeinsam mit den Eltern feste Lernziele vereinbart werden, wobei aber auch hier das Interesse der Kinder zum Tragen kommen muss, d.h., nicht Vater und Mutter sondern die Kinder sollen entscheiden, zu welchen Zeiten gelernt wird. Der Vorteil eines Zeitplans ist, dass Kinder ohne schlechtes Gewissen ihre Freizeit genießen können und vielleicht sogar motivierter lernen, weil sie sich auf den lernfreien Nachmittag freuen. Ohne solche Vorgaben laufen manche Kinder Gefahr, Aufschieberitis zu entwickeln. Hier einige Tipps zur Lernorganisation in den Ferien.

Die Weihnachtsferien

Viele Eltern stellen sich auch in den Weihnachtsferien die Frage: soll mein Kind in den Ferien lernen oder schadet es ihm? Weihnachtszeit ist grundsätzlich Familienzeit und sollte auch so gestaltet werden.
Prinzipiell schadet es aber nicht, sich in den letzten Tagen ein wenig vorzubereiten, dass der Einstieg reibungslos vor sich geht. Bei einigen Kindern könnte es nach Abwägung des notwendigen Ausmaßes aber günstig sein, einige Zeit dafür zu reservieren:

  • Nach einer Krankheit, wenn das Kind Stoff nachholen soll.
  • Das Kind hat eine Nachprüfung.
  • Das Kind hat eine Lese- oder Rechenschwäche.
  • Das Kind erbringt in einem Fach schlechte Leistungen und ein Impuls in einer „stressfreien“ Zeit ist sinnvoll.

Auch wenn Wissenslücken zu schließen sind oder Stoff zu wiederholen ist, können Kinder auch noch im neuen Jahr lernen. Eltern daher sollten keine umfangreichen Lernprogramme zusammenstellen, sondern es gilt, nur das Wichtigste zu wiederholen oder zu lernen und auch einige Stunden Nachhilfeunterricht ist nicht verkehrt, solange er nicht ausufert. Sinnvoll ist es dann aber immer, mit dem Kind gemeinsam einen genauen Lernplan zu erstellen, der auch die Erholung sicherstellt.

Selbst wenn die Sorgen der Eltern über die schulischen Leistungen berechtigt sind, sollten sie ihre Kinder nicht drängen, sondern sollten sie sich fragen, warum sich ein Kind gegen das Lernen sträubt. Vielleicht har das Kind Probleme mit Klassenkameraden oder mit dem Lehrer.

Die großen Sommerferien – der Ferieneffekt

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Harris Cooper (Missouri University) wertete 39 wissenschaftliche Arbeiten über die Wirkung von Sommerferien auf SchülerInnen aus, wobei sich zeigte, dass sowohl die mathematische Fähigkeiten als auch die Rechtschreibleistungen unter der Pause litten. Schon nach vier Wochen landeten die SchülerInnen wieder auf dem Niveau des Frühjahrs, wobei der negative Effekt von Jahrgang zu Jahrgang größer wurde, d.h., je älter die SchülerInnen waren, desto stärker fiel der Rückfall aus. Daher sollte man bei langen Sommerferien, wie sie in unseren Breiten üblich sind, einige Lern- bzw. Wiederholungstage einstreuen.

Eine Studie der Universität Graz Graz (Fink et al., 2015) hat auch in Österreich bestätigt, dass sich lange Ferien negativ auf die Rechtschreibung und das Rechnen auswirken, nicht aber auf das Lesen. Mit neun Wochen Sommerferien liegt Österreich etwa im europäischen Durchschnitt, während Schüler in der Türkei, Estland und Lettland 13 Wochen frei haben, in den USA sind es zwölf Wochen, während in Dänemark, Deutschland oder Großbritannien nur sechs Wochen pausiert wird. Man untersuchte 182 Schüler aus ländlichen steirischen Bezirken im Alter von zehn bis zwölf Jahren jeweils vor, unmittelbar nach und neun Wochen nach den Sommerferien hinsichtlich Lesefertigkeit, Rechtschreibung, mathematischer Fähigkeiten, Kreativität und logischem Denken bzw. Intelligenz. Besonders in der Mathematik und der Rechtschreibung ließen sich Verluste feststellen, da diese im Unterricht geförderten Fähigkeiten im Alltag seltener angewandt werden, aber auch beim logischen Denken bzw. der Intelligenz zeigten sich Einbußen. Die aktuellen Ergebnisse lassen sich am ehesten durch unterschiedliche kognitive Anregung der Schüler erklären, denn so wird in den Ferien mehr gelesen als geschrieben. Es ist nach Ansicht der StudienautorInnen ganz entscheidend, inwiefern Kinder in der schulfreien Zeit zu kognitiven Beschäftigungen angeregt werden. Allerdings zeigte sich auch, dass die Schüler die Verluste neun Wochen nach Schulbeginn wieder wettmachen konnten.

In der Werbung klingt das übrigens so: „Der Leistungsdruck bei Kindern ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, unter anderem auch aufgrund von Schulreformen wie z.B. G8 in Gymnasien. Dieser Leistungsdruck lässt die Schüler auch in den Ferien nicht los. Eine Studie fand heraus, dass 55% der Schüler selbst in den Ferien in die Bücher schauen müssen, um den schulischen Anforderungen noch gerecht werden zu können, Tendenz steigend! „Mein Kind hat dieses Jahr nur gute Noten mit nach Hause gebracht, Lernen in den Ferien ist absolut unnötig“, werden jetzt sicher viele von Ihnen sagen. Doch Ihr Kind sollte sich nicht auf seinen guten Noten ausruhen – und Sie als verantwortungsvolle Eltern sollten dem sogenannten „Ferieneffekt“ entgegenwirken. Der US-Wissenschaftler für Psychologie und Neurowissenschaften Harris M. Cooper bestätigt: Das Sommervergessen des Lernstoffes gibt es wirklich, vor allem im Bereich Mathematik! Auch die Lehrer Ihres Kindes werden Ihnen dieses Phänomen bestätigen können. Wie viel Lernen in den Ferien sinnvoll ist, muss von Kind zu Kind unterschieden werden. Zu viel schadet auch, schließlich sollte Ihr Kind in den Ferien immer noch die Zeit haben, abschalten zu können. Jedoch eignen sich öde Regentage, sporadische Langeweile oder eine lange Reisezeit optimal dazu, schulische Inhalte anzuwenden und zu wiederholen. Dass Ihr Kind freiwillig etwas für die Schule macht aus Langweile, ist für Sie unvorstellbar? Dann sind Sie die Sache bis jetzt einfach falsch angegangen. Dafür habe ich jetzt aber etwas ganz besonderes für Sie: Mit meinem brandneuen Ferien-Spezialreport „***“ biete ich Ihnen und Ihrem Kind spielerische Lernmethoden, die zur Wiederholung des Grundlernstoffes beitragen, egal, wie gut Ihr Kind in der Schule ist.“ 😉

In der Aussendung eines Nachhilfeinstituts liest sich ein Hinweis auf den Ferieneffekt dann so: „Verehrte Eltern, falls Ihr Kind im vorigen Schuljahr bei uns Lernstunden besucht hat, haben Sie mit jeder einzelnen Rechnung Brainpoints bekommen, einzulösen gegen WarmUps am Ende der Ferien  bzw. zum Schulstart. Bei Auffrischungskursen in Gruppen ist jeder Brainpoint  einen Euro wert, bei Auffrischung im Einzelunterricht die Hälfte. Wir wollen damit unterstützen, dass Ihr Kind rechtzeitig von Ferien-Stand-by im Köpfchen wieder auf Denken umschaltet, also nicht etwa den Start vertrödelt. Wir organisieren gerne zusätzlich WarmUps in der ersten und zweiten Schulwoche.“

Literatur & Quellen

Fink, A., Krammer, A., Macher, D., Papousek, I., Weiss, E. M. & Paechter, M. (2015). Psychologie in Erziehung und Unterricht, 62.
http://www.focus.de/schule/lernen/schule-ferien-sind-keine-zweite-schulzeit_aid_584193.html (25-12-10)





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