Wie kann man zeichnen lernen?

Zeichnen ist nichts anderes,
als die Welt in seiner eigenen Schrift aufzuschreiben.

Anfängerinnen und Anfänger im Zeichnen sind oft recht hilflos, wie sie beginnen sollen und wissen einfach nicht, was sie wie zeichnen sollen. Hier ein paar Grundregeln und Tipps für Anfängerinnen und Anfänger im Zeichnen:

Erste Grundregel: Nie ein Foto oder eine Zeichnung „abzeichnen“.
Einen einfachen Gegenstand (Buch, Glas, Bleistift, Radiergummi, Pinsel, Hut, Becher, …) hinstellen und zeichnen.
Diesen Gegenstand aus verschiedenen Perspektiven zeichnen.
Möglichst groß zeichnen (mindestens 1:1).
Nicht mit Linien zeichnen sondern z.B. mit Schraffuren, Wellenlinien, Kreuzen – dies an Hand der eigenen Handschrift auf einem großen Blatt vorüben!
Mit verschiedenen Materialien zeichnen – Bleistift, Feder, Tusche, Aquarellfarben …
Auf verschiedenen Untergründen zeichnen: Packpapier, glattes und raues Papier, Servietten, Toilettepapier …
Nach diesen Vorübungen in der Natur zeichnen, wobei man mit Details beginnen sollte: Astgabel vor Baumzeichnen, Blatt vor Rose, Fenster vor Haus.
Immer wieder versuchen, auf den Strich zu verzichten und etwa nur Schatten skizzieren.
Wichtig: eigenen Strich und Stil entwickeln und nie andere kopieren, vor allem keine Profis!
Auch bei der Menschenzeichnung mit Details beginnen: eigene Hand, im Spiegel Selbstportrait …
Immer wieder mit der „falschen“ Hand zeichnen!
Letzte Grundregel: Zeichnen, zeichnen, zeichnen …

Zeichnen ist die Kunst,
Striche spazieren zu führen.
Paul Klee

21 Dinge, die man über das Zeichnen wissen muss, die einem aber noch nie jemand gesagt hat

Die Zeichnerin und Malerin Martina Wald hat in einem Newsletter einundzwanzig Punkte genannt, die man unbedingt wissen muss, um mit Leichtigkeit und Freude zeichnen zu können. Die aber, wie sie anmerkt, einem aber nie jemand sagt …

  • Je öfter man zeichnet, umso häufiger verspürt man den Wunsch zu zeichnen.
  • Zeichnen findet nicht auf dem Papier statt, sondern auf dem Weg zwischen Augen, Herz und Hand.
  • Die Hand folgt immer den Augen. Immer. Das ist wie beim Autofahren oder Radfahren.
  • Wenn man eine Zeit lang immer denselben Zeichenstift benutzt, fühlt es sich nach einer Weile so an, als zeichne dieser Zeichenstift ganz von alleine und man selbst schaut nur zu.
  • Die Energie, die man ins Zeichnen steckt, kommt als neue Zeichen-Energie zu einem zurück.
  • Sobald der erste Strich auf’s Papier gesetzt ist, verwandelt sich das Papier in einen Raum, der vom Betrachter mit allen Sinnen erfahrbar ist.
  • Nur was den Zeichner beeindruckt, kann die Hand des Zeichners zum Ausdruck bringen.
  • Wer glaubt, nicht zeichnen zu können und deshalb nicht zeichnet, der kann nicht zeichnen. Wer glaubt, nicht zeichnen zu können und trotzdem zeichnet, der kann zeichnen.
  • Beim Zeichnen erkennen wir, was wir sehen.
  • Eine Zeichnung ist das, was nach dem Zeichnen übrig bleibt.
  • Zeichnen lernt man nicht, indem man zeichnen lernt, sondern indem man sich daran gewöhnt zu zeichnen.
  • Richtig gut zeichnen kann man nur, wenn man bereit ist, bei jeder Gelegenheit richtig schlecht zu zeichnen.
  • Wer einen gedruckten Text in seiner eigenen Handschrift abschreiben kann, der kann auch zeichnen.
  • Besser man lernt seine eigene Art des Zeichnens zu schätzen, denn anders als man selbst, wird man nie zeichnen.
  • Wenn man nicht sehr oft zeichnet, hört man nicht auf Zeichnen zu können, aber man vergisst, dass man es kann.
  • Zeichnen ist nichts anderes, als die Welt in seiner eigenen Schrift aufzuschreiben.
  • Beim Zeichnen soll kein natur-getreues Bild entstehen, sondern ein der Natur nach-empfundenes.
  • Niemand kann einem sagen, wie „man“ eine Rose zeichnet. Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie er eine Rose zeichnet.
  • „Schön“ zeichnen ist genauso langweilig und ausdruckslos wie schön schreiben.
  • Allein die Absicht, „richtig gut“ zeichnen zu wollen, hält davon ab, „richtig gut“ zeichnen zu können.
  • Beim Zeichnen ist nicht das Können die Kunst, sondern die Kunst ist es, immer weiter zeichnen zu können.

Zeichnen unterstützt übrigens das Gedächtnis

Übrigens fanden Forscher der Universität von Waterloo in Kanada heraus, dass die verlässlichste Methode, wie man sich Dinge merken kann, Malen und Zeichnen ist. Man verglich dabei Zeichnen mit einer Reihe anderer bekannter Merkstrategien, und Zeichnen schnitt immer am besten ab. In einem Experiment zeigten Psychologen den Probanden eine Liste mit einfachen, leicht zu zeichnenden Begriffen wie „Apfel“ oder „Baum“, wobei die Studienteilnehmer pro Wort 40 Sekunden Zeit hatten, den Begriff zu zeichnen oder ihn wiederholt aufzuschreiben. Zur Ablenkung erhielten sie anschließend eine Aufgabe, in der sie Töne in Musikstücken identifizieren mussten. Danach wurden sie aufgefordert, in 60 Sekunden so viele Wörter wie möglich von der Liste wiederzugeben. Die Teilnehmer erinnerten sich an mehr als doppelt so viele gezeichnete wie geschriebene Wörter. Auch im Vergleich zu anderen Merkstrategien wie der Auflistung von Eigenschaften der einzuprägenden Gegenstände, bildliche Vorstellungen oder das Betrachten von Bildern änderte nichts daran, denn stets prägten sich gezeichnete Wörter bei den Studienteilnehmern am besten ein. Wichtig: Die Qualität der Zeichnungen spielte überhaupt keine Rolle.





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  1. Eine Antwort auf “Wie kann man zeichnen lernen?”

  2. In seinem Blog http://mit-pinsel-und-stift.de/ beschreibt Holger Haberstig aus Heddesheim die Fragen und Probleme, die auftauchen, wenn man sich einmal entschlossen hat, Zeichnen zu lernen. In einem Beitrag beschreibt er den nicht unwesentlichen Unterschied zwischen Üben und Lernen: „Ich unterscheide ganz klar zwischen erlernen und üben. Es besteht ein großer Unterschied zwischen den beiden: Meiner Meinung nach bedeutet etwas zu erlernen, wie ich etwas machen soll. Ich stehe als Anfänger im Grunde vor vielen, vielen Aufgaben und weiss nicht wirklich was nötig ist, um diese zu lösen. Der Prozess des Erlernens bedeutet die Natur einer Aufgabe zu verstehen und sich Methoden und Techniken anzueignen, um eben diese Aufgabe zu lösen. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass ich die Aufgabe auch gut lösen werde. Das ist vergleichbar mit dem Lesen eines Buchs über das Zeichnen. Man kann sehr viel über die Thematik lesen und es wird sicher den einen oder anderen positiven Effekt haben: Quelle der Inspiration, Lust auf mehr, Orientierung im Wirrwarr der vielen Möglichkeiten. Es bleibt aber stets Theorie. Und früher oder später kommt der Punkt des Machens und damit die Zeit der Ernüchterung.“
    Dem ist wenig hinzuzufügen 😉

    By Holger on Apr 25, 2016

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