Musik, Arbeiten, Lernen


Studien haben gezeigt, dass wiederkehrende Tätigkeiten und Aufgaben leichter von der Hand gehen, wenn man dabei Musik hört, wobei die geeignete Musik auch die Fehlerquote bei Routinearbeiten senken kann. Man vermutet, dass Musik die Produktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin begünstigt, sodass man sich entspannt und glücklich fühlt, und sich folglich besser konzentrieren kann. Das gilt nicht nur bei Fließbandarbeiten, sondern auch dann, wenn man komplexeren Tätigkeiten nachgeht, denn so hören Chirurgen in Operationssälen oft Musik, um ihren Stresspegel zu senken und sich selbst konzentriert zu halten.

In manchen Situationen sollte man besser aber keine Musik hören, etwa wenn man Neues lernt, Fakten aufnimmt, analysiert und diese in sein Gedächtnis einprägen möchte. Wenn nämlich nebenbei Musik läuft, muss das Gehirn neben dem Stoff, den man lernen will, zeitgleich auditive Daten verarbeiten. Dieses scheinbare Multitasking steigert die Wahrscheinlichkeit, dass man einige Fakten falsch interpretiert oder nicht richtig einordnet. Besonders wenn man schwierige Texte lesen muss, können dabei Songtexte irritierend wirken. Auch wenn man auf der Suche nach einer neuen Idee ist oder sich mit einem Problem herumschlägt, ist es zwar durchaus sinnvoll, davor eine Weile mit guter Musik abzuschalten und zu entspannen, denn ein entspannter Verstand ist bekanntlich kreativer. In der eigentlichen Schaffensphase, in der man originelle Ideen entwickeln und neue Projekte planen muss, hilft eher die absolute Stille, sich dabei besser zu konzentrieren und die Gedanken ohne jede Ablenkung fließen zu lassen.

Entspannungsmusik VOR dem Lernen

Bernardi, Porta & Sleight (2006) entdeckten in einer Studie, bei der es um die psychologische Wirkung von Musik ging, dass sich die Probanden durch die bis zu zwei Minuten anhaltenden Ruhepausen zwischen den Musikstücken mehr entspannten als bei der Entspannungsmusik. Das Gehirn nimmt offenbar Stille besonders dann wahr, wenn ein akustischer Stimulus aktiv beendet wird. Ein große Rolle bei Stille spielt das Default Mode Network, das immer aktiv wird, wenn es von außen kaum Reize gibt. Das ist auch beim Tagträumen der Fall, wenn man Gedanken fließen lässt oder einfach nur da ist, denn sobald man zu lesen beginnt oder Musik erklingt, nimmt die Aktivität sofort ab. Studien belegen, dass bei einem aktiven Default Mode Network im Hintergrund Informationen ausgewertet und gesammelt werden, innere Bilder und Gefühle tauchen wie zufällig auf, plötzlich kommen Ideen an die Oberfläche, bisher unzusammenhängende Ereignisse ergeben auf einmal Sinn, der erlösende Einfall, an dem man lange gegrübelt hat, stellt sich von ganz alleine ein. Regelmäßige Zeiten der bewussten Stille reduzieren Stress, das Gehirn kann sich regenerieren, die Kreativität steigert sich und sorgt ganz allgemein für innere Zufriedenheit. Dieser inspirierende Zustand der Selbstvergessenheit sollte nicht mit dem manchmal lähmenden Gefühl der inneren Leere verwechselt werden.

Literatur

Bernardi, L., Porta, C. & Sleight, P. (2006). Cardiovascular, cerebrovascular, and respiratory changes induced by different types of music in musicians and non‐musicians: the importance of silence. Heart, 92, 445-452.



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© Werner Stangl Linz 2019