Der Raum ist der dritte Pädagoge


Die Lernumgebung umfasst die Summe aller Faktoren, die das Lernen beeinflussen, wobei sich die Umgebung und deren Gestaltung auf das Lernverhalten auswirkt. Anforderungen an eine optimale Lernumgebung sind Ruhe, d.h., keine Gespräche in der Nähe, keine Unterbrechungen durch Handyklingeln, ausreichend Licht und Luft, d.h., vor dem Lernen den Raum lüften, Übersicht und Klarheit am Arbeitsplatz verhindern, dass ein Chaos am Schreibtisch das Gehirn überfordert und man durch unwichtige Dinge abgelenkt wird. Manche Menschen lernen an ruhigen Orten in der Öffentlichkeit wie an einem leise plätschernden Brunnen oder in einem nicht zu überlaufenen Park am besten.

Vor allem in der Ganztagsschule verbringen Kinder und Jugendliche den größten Teil des Tages. Deshalb kommt der Gestaltung des Lebens- und Lernraums in der Schule, gepaart mit einer anregenden Schulatmosphäre, eine große Aufmerksamkeit zu. Ein gutes Schulklima wirkt sich dabei positiv auf die Leistungen der Kinder und Jugendlichen aus. Lernräume oder Lernlandschaften sollen zu ganztägig und multifunktional nutzbaren Lebensräumen werden, die eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen. Der Raum als dritter Pädagoge hat neben den anderen beiden Pädagogen, also den MitschülerInnen und den Lehrkräften, eine gewachsene Bedeutung in der Ganztagsschule. Wenn sich die Ganztagsschule der Lebenswelt öffnet, werden die Kinder und Jugendlichen ihre Erfahrungsräume erweitern können.

Die Ganztagsschule hat die Aufgabe, Lernorte zu schaffen, in denen die Räume als didaktisches Element verstanden und entsprechend genutzt werden. Die Ganztagsschule soll aber auch einen Lebensraum schaffen und gestalten, der kinder- und jugendgemäß ist, auch und nicht zuletzt, damit Kinder und Jugendliche ihre zumeist wenig anregenden Wohnverhältnisse kompensieren können. Die Ganztagsschule soll daher ein Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche sein, der für die Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Grundlage darstellt. Zugleich soll die Ganztagsschule aber auch ein Kulturraum sein, in dem Kinder und Jugendliche ihre schöpferische Kraft entfalten und die Bedeutung von kulturellen Fragen für ihr persönliches Leben erkennen können.

Literatur

Höhmann, Katrin (2012). Ganztagsschule als Lern-, Lebens-, Erfahrungs- und Kulturraum (S. 11-18). In Appel, Stefan & Rother, Ulrich (Hrsg.), Schulatmosphäre – Lernlandschaft – Lebenswelt (Jahrbuch Ganztagsschule). Schwalbach, Taunus: Wochenschau Verlag.



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© Werner Stangl Linz 2020