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Arbeitszeit = Arbeit + Pausen

Man muss dem Inneren die entspannte Ruhe zugestehen,
auch wenn man überzeugt ist, die Zeit im Nichtstun zu verlieren.
Johannes vom Kreuz

Die Bedeutung von Pausen wird meistens unterschätzt, denn sie passen auch nicht zu dem Idealbild eines fleißigen Schülers oder Studenten und werden deshalb eher verschämt unterschlagen. Manchmal werden sie auch vom Lernenden selber als unangenehm empfunden, wenn sie oder er gerade so in der Arbeit unterwegs ist. Dabei haben schon früh Untersuchungen gezeigt, dass Pausen sowohl bei geistiger als auch bei körperlicher Arbeit die Produktivität erheblich erhöhen.

Graf (1961) bildete drei Gruppen, die jeweils über eine Gesamtzeit von 3 Stunden arbeiteten. Die erste Gruppe hatte keine Pausen während der 3 Stunden. Die zweite Gruppe hatte 3 Pausen mit insgesamt ca. 15 Minuten Dauer während der 3 Stunden. Die dritte Gruppe hatte 11 Pausen mit insgesamt ca. 20 Minuten Dauer. Die Gruppe ohne Pause erbrachte eine deutlich geringere Arbeitsleistung als die Gruppen mit Pausen, wobei die Gruppe mit den 11 Pausen noch etwas produktiver war als die Gruppe mit 3 Pausen. Es zeigte sich auch, dass Pausen dann am wirksamsten sind, wenn die Ermüdung noch nicht spürbar ist.

Daher ist es sinnvoll, sie von Anfang an in die Arbeitszeit einzuplanen. Als Faustregel gilt, dass die kleinen Pausen (ca. 5 Minuten), die alle 20–30 Minuten eingelegt werden sollen, ca. 10–30% der Arbeitszeit ausmachen sollten. Nach 90–120 Minuten sollte dann eine ca. 20 minütige Pause genommen werden. Nach 3–4 Stunden sollte eine große Pause eingelegt werden von 1 Stunde bis maximal 2 1/2 Stunden.

Pausen beim Lernen

Pausen beim Lernen für das Gehirn

Selbstverständlich sind dies Vorgaben, die sich an einem Durchschnitt orientieren. Je nach Arbeitsbelastung und Leistungsfähigkeit sind diese Zeiten flexibel zu handhaben. Wichtig ist jedoch, dass die Pausen immer von vorneherein eingeplant und auch beansprucht werden, vor allem wenn für einen längeren Zeitraum die Leistungsfähigkeit erhalten werden soll.

Siehe dazu aber Arbeitszeit und Zeitplanung im Studium, wo eine Verteilung über den ganzen Tag als die optimale Lösung vorgeschlagen wird, da sie auch den Rhythmus des Lernenden berücksichtigt.

Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass Lila Davachi & Arielle Tambini (Universität New York) herausgefunden haben, dass sich Menschen, die nach dem Betrachten von Bildern eine Pause einlegten und kurz nichts taten, sich nach der Rast besser an die gezeigten Informationen erinnern konnten als Personen, die keine Rasteingelegt hatten. Bisher war bekannt, dass sich im Schlaf Eindrücke und Erinnerungen verfestigen, wobei in dieser Zeit spezifische Gehirnregionen besonders aktiv sind. Die Wissenschaftlerinnen stellten nun fest, dass während des Rastens jene Teile des Gehirns besonders intensiv arbeiten, die zuvor bei der Aufgabe angeregt worden waren. Offensichtlich werden die zuvor gesehene Informationen während der kognitiven Pause verarbeitet.

Eine neue Studie von Ashley & Pearson (2012) zeigte ebenfalls, dass sich der Lernerfolg schneller einstellt, wenn man regelmäßige Pausen einplant und nicht rund um die Uhr trainiert, denn wenn jemand zu viel am Stück übt, wird nach dem Gesetz des abnehmenden Ertrags immer kleinere Fortschritte machen. Der Studie zufolge findet beim Erlernen neuer Fähigkeiten eine Neuverdrahtung in unserem Gehirn statt, wobei dieses Phänomen  als neurale Plastizität bezeichnet wird. Neuronale Plastizität ist eine Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich in Abhängigkeit von ihrer Verwendung zu verändern. Damit also neue Fertigkeiten langfristig angeeignet werden können, müssen die Veränderungen im Gehirn vertieft und gefestigt werden, was durch einen Transfer vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis erfolgt. Werden nämlich die Informationen oder neuralen Veränderungen im Gehirn während Pausen nicht entsprechend konsolidiert, macht sich ein Lernfortschritt nur kurzfristig bemerkbar oder stellt sich überhaupt gar nicht erst ein. Viele Studien haben im übrigen auch gezeigt, dass ein Lernfortschritt grundsätzlich ausbleibt, wenn man nach einem Übungstag nicht schläft, den auch ausreichend Schlaf befördert die Konsolidierung des Gelernten.

Quellen
Ashley, Soren & Pearson, Joel (2012). When more equals less: overtraining inhibits perceptual learning owing to lack of wakeful consolidation. Proc. R. Soc. B rspb20121423; published ahead of print August 15, 2012, 1471-2954.
Graf, O. (1961). Arbeitszeit und Arbeitspausen Handbuch der Psychologie, Band 9, Göttingen: Hogrefe.
Maier-Brückner, Wolfgang (2007). Lernen – worauf es ankommt. Information Lernen in Studium.
WWW: http://www.zib.uni-karlsruhe.de (08-07-06)
http://science.orf.at/stories/1637655/ (10-01-28)



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