Während beim Lesen lautes bzw. lautloses Mitsprechen eher hinderlich ist und weder das Verstehen noch das Einprägen fördert, kann das laute Aussprechen als gleichzeitige körperliche Aktivität das Lernen unterstützen, wobei auch ein lautlosen aber genaues Sprechen in Gedanken förderlich sein kann. Das kann man mit einem einfachen Experiment leicht herausfinden, indem man ein Bild genau betrachtet, es dann weglegt und aus dem Gedächtnis aufzählt, woran man sich noch erinnert. Dann schaut man erneut auf das Bild und sagt laut auf, was man sieht. Möglicherweise unterscheiden sich Menschen mit einem angeblich guten Gedächtnis von solchen mit einem angeblich schlechten vor allem dadurch, dass diese das lautlose Sprechen schon früh stark verinnerlicht haben, ohne dass ihnen diese Technik bewusst ist, denn bei Menschen mit einem solchen guten Gedächtnis läuft dieser Formulierprozess sehr schnell ab.
Mitsprechen beim Sprachenlernen
Kinder können beim Erlernen der eigenen Sprache wie einer Fremdsprache durch das betonte Artikulieren (Koartikulation, Dehnsprechen) auf die Abweichungen zwischen gesprochener und geschriebener Sprache aufmerksam gemacht werden, wobei sich das Mitsprechen beim Schreiben als die effektivste Methode erwiesen hat. Indem Kinder beim Schreiben die Lautfolge der Buchstaben langsam mitsprechen, bildet sich ein Gespür für Abweichungen zwischen der geschriebenen und der gesprochenen Sprache, denn wenn man beim Schreiben mitspricht, dann steuert die Sprache das Schreiben, wobei es darauf ankommt, dass ein Kind genau den Buchstaben spricht, den es gerade schreibt.
Siehe auch Richtiges Lesen und Einprägen