Sollen Schüler und Schülerinnen in den Ferien lernen? Der Ferieneffekt!



In einer Untersuchung über die Wirkung von Sommerferien auf SchülerInnen zeigte sich, dass sowohl die mathematische Fähigkeiten als auch die Rechtschreibleistungen unter dieser langen Pause litten. Schon nach vier Wochen landeten die SchülerInnen wieder auf dem Niveau des Frühjahrs, wobei der negative Effekt von Jahrgang zu Jahrgang größer wurde, d.h., je älter die SchülerInnen waren, desto stärker fiel der Rückfall aus. Besonders in der Mathematik und der Rechtschreibung lassen sich Verluste feststellen, da diese Fähigkeiten im Alltag seltener angewandt werden, aber auch beim logischen Denken bzw. der Intelligenz zeigten sich Einbußen. Es ist daher ganz entscheidend, inwiefern Kinder und Jugendliche in der schulfreien Zeit zu kognitiven Beschäftigungen angeregt werden, auch wenn die SchülerInnen die Verluste neun Wochen nach Schulbeginn wieder wettmachen können.

Daher sollte man bei langen Sommerferien, wie sie in unseren Breiten üblich sind, einige Lern- bzw. Wiederholungstage einstreuen. Es zeigt sich in Befragungen auch, dass etwa ein Drittel der SchülerInnen den Schulstoff ein bis zwei Stunden oder sogar mehr pro Ferienwoche wiederholt, doch manche Eltern sind verunsichert, denn sie wissen nicht genau, wie das Lernen in den Ferien aussehen sollte, damit es den Kindern auch wirklich etwas bringt. Immerhin zeigen diese Befragungen, dass ein hoher Leistungsdruck in unserer Gesellschaft vorherrscht, wobei der Leistungsdruck häufig mit Angst zu tun hat.

Zwar ist verständlich, dass Kinder in den Ferien keine Schulhefte oder Schulbücher in die Hand nehmen möchten, wobei besonders Kinder mit schlechten Noten emotionale Probleme mit der Schule haben und die Ferien dafür brauchen, um Abstand von der Schule zu gewinnen. Müssen sie daher in den Ferien auch noch für die Schule lernen, wächst nur ihre Abneigung gegen die Schule und sie gehen mit einem noch schlechteren Gefühl in das neue Schuljahr. Statt Unterrichtsstoff in den Ferien zu büffeln, gibt es gerade in dieser Zeit viel bessere Möglichkeiten, Kinder zu fördern, denn Eltern sollten nicht unterschätzen, wie viel Kinder etwa auch durch Spiele oder Ausflüge lernen können. Solche sinnlichen Erfahrungen wirken oft viel nachhaltiger als bloßes Büffeln von Lehrstoff. Man sollte daher Kinder ermutigen, in den Ferien zu lesen, auch wenn es Comics sind, denn auch diese fördern die Lesekompetenz. Oder vielleicht kann man Kindern den Auftrag geben, ein Reisetagebuch für den Famlienurlaub zu führen oder in dieser Zeit die Urlaubskasse der Familie zu verwalten. Oder die Famlie mit Informationen zur Urlaubsroute zu versorgen … Familien können in den Tiergarten gehen und dort die Schilder lesen lassen, statt Leseübungen zuhause zu machen, d. h., Eltern sollten kreativ sein und nicht Dinge vorschlagen, die allzu sehr an das schulische Lernen erinnern!

Summer Schools, Kinderunis und Ferienprogramme, die Kinder fördern sollen, sind für manche Kinder durchaus sinnvoll, doch bildungsambitionierte Eltern sollten stets darauf achten, ihre Kinder in der Ferienzeit auch immer wieder zu entlasten. Manche ehrgeizige Eltern versuchen dabei, ihren Kindern einen Startvorteil gegenüber anderen Kindern zu verschaffen und sie früh mit viel Wissen und Lerneffekten zu konfrontieren, d. h., Kinder lernen in den Ferien Englisch, Segeln, Surfen, Naturwissenschaften oder Filme machen. Doch Lernen im Grundschulalter hat mehr mit Neugier und Freude zu tun, d. h., es muss nicht immer gleich einen Lernaspekt dabei geben. Wenn Kinder spezifische Interessen haben, dann sollten sie sich auch in den Ferien damit beschäftigen, doch bei allzu großem Ehrgeiz sollten Eltern ihre Kinder allerdings auch zu Pausen motivieren. Wichtig bei der lernorientierten Freizeit-Gestaltung in den Ferien sind daher vor allem die kindlichen Interessen, wobei jüngere Kinder eine Möglichkeit brauchen, sich für etwas zu begeistern. Das kann Sport sein oder auch Wissenschaft, wobei zentral ist, dass es keinen elterlichen Druck gibt, sondern den Kindern vor allem Spaß macht. Gegen Ende der Grundschule und bei größeren Kindern ist es auch schon gut möglich, Kinder in ihrem speziellen Interessensgebiet auch ein wenig zu fordern, denn wenn ein Kind etwa ein begeisterter Musiker oder eine begeisterte Musikerin ist, kann etwa ein spezieller Musikkurs durchaus reizvoll und motivierend sein, selbst wenn das Kind dabei viel üben muss. Wenn Eltern aber ihre Kinder etwa in ein Englisch-Camp schicken und es diesen keinen Spaß macht, werden die Kinder auch nichts lernen, sondern es wird dadurch nur der Ehrgeiz der Eltern befriedigt. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass sie auch in den Ferien ein vorgegebenes Programm mitmachen müssen, reagieren sie darauf sicherlich mehr mit Ablehnung und der Konflikt ist vorprogrammiert. Eltern sollten eine solche lernorientierte Zeit mit ihren Kindern immer gemeinsam planen, denn so sind sie auch motivierter. Es hat daher auch wenig Sinn, ein dann Kind davon zu überzeugen zu versuchen, dass es in einem Lerncamp so viel Spaß hat, denn das weiß das Kind besser. Wichtig ist bei solchen Ferienaktivitäten sind auch die Rückzugsmöglichkeiten, denn ständig mit der selben Gruppe Zeit zu verbringen, ist auch für Kinder anstrengend, schließlich brauchen auch Erwachsene manchmal Zeit für sich.

Gut ist, wenn Kinder gemeinsam mit anderen aktiv sind und sich im Spiel austauschen und lernen, etwa beim Verlieren mit Frustrationen umzugehen, was auch bei schulischen Misserfolgen hilft. Außerdem lernt man im SPiel mit anderen Kindern auch Kooperationsfähigkeit.

Als Grundregel für das Lernen gerade in den Ferien gilt: Verteilt lernt es sich effektiver als massiv, d.h., wer jeden Tag zwei Stunden lernt, merkt sich den Schulstoff besser, als jemand, der jeden dritten Tag acht Stunden lang über den Schulbüchern sitzt. Jüngeren Schülern hilft ein Lernplan, sich zu organisieren, wobei man am besten gemeinsam mit den Eltern feste Lernziele vereinbart werden, wobei aber auch hier das Interesse der Kinder zum Tragen kommen muss, d.h., nicht Vater und Mutter sondern die Kinder sollen entscheiden, zu welchen Zeiten gelernt wird. Der Vorteil eines Zeitplans ist, dass Kinder ohne schlechtes Gewissen ihre Freizeit genießen können und vielleicht sogar motivierter lernen, weil sie sich auf den lernfreien Nachmittag freuen.

Hier einige Tipps zur Lernorganisation in den Ferien und Lernen in den Ferien? Der Ferieneffekt

Wichtig: In den Semesterferien bei Fünfer keine zusätzlichen Lernstunden!

Andreas Girzikovsky, Leiter der Schulpsychologie am Landesschulrat Oberösterreich sagt, dass ein Fünfer im Semesterzeugnis kein Drama ist: „Man sollte einen Fünfer in der Schulnachricht als das nehmen, was er ist: Eine Rückmeldung, dass man nach derzeitigem Stand das Jahresziel nicht erreichen würde. Ein Fünfer ist kein Drama.“ Wenig hilfreich ist es, in den Ferien zusätzliche Lernstunden einzuplanen, denn dadurch fühlt sich das Kind benachteiligt und versetzt sich in eine Opferrolle. Die Ferienwoche sollten alle Schüler zum Durchschnaufen verwenden, egal wie das Zeugnis ausfiel, denn Pausen sind wichtig, um Energie zu tanken und auf andere Gedanken zu kommen. Danach geht es neu motiviert weiter.

Literatur
Stangl, W. (2008). Lernen in den Ferien?
WWW: http://lerntipps.lerntipp.at/lernen-in-den-ferien/ (14-06-12)
Ohne Autor (2014). Weniger Stress in den Ferien.
WWW: http://kurier.at/lebensart/familie/sommerkurse-verursachen-stress-bei-kindern/74.104.715  (14-07-24)
OÖN vom 18. Februar 2017





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