Der räumliche Aktualisierungseffekt

Passend zu unserem Lerntipp „Wie heißt die Hauptstadt von …“ haben Wissenschaftler an der University of Notre Dame (Indiana , USA) herausgefunden, dass Menschen, die einen Raum verlassen, nacher oft nicht mehr wissen, was sie sich eigentlich vorgenommen. Das ist aber keine Zeichen von Vergesslichkeit, sondern eine Verarbeitungsstrategie des menschlichen Gehirns, denn das Gehirn verbindet einen Gedanken oft mit dem Raum, in dem er entstanden ist. Daher fällt es Menschen oft nicht leicht, sich an etwas zu erinnern, was sie sich an einem anderen Ort vorgenommen habe. Das Gehirn ordnet Erinnerungen nicht immer nach inhaltlichen Merkmalen, sondern häufig auch nach anderen wie die räumlichen Gegebenheiten.

Das Experiment zu diesem räumlichen Aktualisierungseffekt: Unter verschiedenen Versuchsbedingungen mussten die ProbandInnen Gedächtnisübungen zu machen, so etwa Gegenstände in verschiedenen Kisten verpacken und sich kurz darauf an den Inhalt erinnern, einige im selben Raum, andere in einem Nebenraum. Bei den Versuchspersonen, die dabei durch eine Türe gehen mussten, waren die Erinnerungen schwerer abrufbar als bei denen, die im selben Raum geblieben waren. Auch die Rückkehr an den Ort des Gedankens half beim Wiedererinnern nicht wesentlich, da die zum Raum gehörenden Gedächtnisinhalte mit dem Passieren der Türe regelrecht archiviert werden. Ähnlich wie beim Zeigarnik-Effekt zieht das Gehirn vermutlich auch einen Schlussstrich unter die erledigte Aufgabe. Der von Bluma Zeigarnik (1900-1988) beschriebene Zeigarnik-Effekt beschreibt, dass unerledigte Handlungen besser in der Erinnerung des Menschen gespeichert werden als erledigte.

Résumé: Manchen Menschen hilft es zwar, in den alten Raum zurückzugehen, um eine verlorene Erinnerung wieder zurückzuholen, doch häufig bleiben einmal gelöschte Gedanken verschwunden. Eine Mittel wäre es, mit den Händen einen Gegenstand oder seine Absicht gestikulierend festzuhalten, bevor man einen Raum verlässt, um so körperlich den Gedanken von einem Raum mit in den anderen mitzunehmen, doch weiß man in der Regel ja nicht im Vorhinein, dass man durch das Verlassen des Raums vergessen könnte, was man eigentlich wollte. Hier hilft schon besser die Absicht, unbedingt das zu vergessen, was man wollte 😉

Literatur
Radvansky, G. A., Tamplin, A. K., & Krawietz, S. A. (2010). Walking through doorways causes forgetting: Environmental integration. Psychonomic Bulletin & Review, 17, 900–904.
Radvansky, G. A., Krawietz, S. A., &  Tamplin, A. K.(2011). Walking through doorways causes forgetting: Further explorations. The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 64, 1632–1645.





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© Werner Stangl Linz 2017