Namensgedächtnis verbessern

Sich den Namen anderer Menschen zu merken, ist für manche Menschen ein Problem. Verantwortlich dafür ist das menschliche Gehirn, denn wenn man jemand Neuen kennenlernt, entscheidet es mehr oder minder automatisch, welche Information es speichert und welche nicht. Da das Gehirn bei einem ersten Kennenlernen eine Fülle von Sinneseindrücken aufnehmen muss, nimmt das rationale Gedächtnis einen Namen viel zu kurz auf bzw. wird von anderen Eindrücken vom Gegenüber überlagert. Menschen können sich in der Regel daher Gesichter viel besser merken als Namen, denn dafür gibt es sogar eine eigene Region im Gehirn, die für das Erkennen von Gesichtern zuständig ist. Bei Namen dagegen tun sich das Gehirn eher schwer, was möglicherweise mit der Evolution zu tun hat, denn zuerst war es das Gesicht, das man sich merken konnte, während Namen erst sehr spät als Unterscheidungsmerkmal zwischen Menschen dazukam. Kontextlose Begriffe wie Namen haben in den ersten Sekunden für das Gehirn meist keine Priorität und werden daher ohne geeignete „Gegenstrategie“ nicht dauerhaft abgespeichert. Erst nachdem man dem anderen kennengelernt hat, baut sich eine veränderte Relevanzstruktur im Gehirn auf, also wenn das Gehirn schon entschieden hat, dass jemand interessant oder besonders attraktiv ist, bleibt auch der Name besser im Gedächtnis.

Ob man sich einen Namen merkt, hat natürlich auch mit der Bedeutung, die ein Mensch für einen hat, zu tun, denn wenn sich jemand nur kurz auf einer Party vorstellt, dann ist die Verarbeitungstiefe natürlich gering, vor allem auch deshalb, weil das nicht der einzige Mensch ist, den man kennenlernt. Ein gutes Namensgedächtnis hängt neben der Veranlagung auch von früher Förderung ab, denn wenn schon die Eltern großen Wert darauf legen, dass sich ein Kind Namen von Menschen merkt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich diese Fähigkeit gut entwickelt. Um sich die Namen von Menschen zu merken, muss man vor allem lernen, den Namen zu einem Gesicht sicher abzuspeichern, um ihn später wieder abrufen zu können.

Ältere Menschen sollten sich selbst nicht unter Druck setzen, wenn sie den Namen eines Gesprächspartners vergessen haben, denn durch Angst unterdrückt man den Zugriff zum Gedächtnis. Wenn man einen Namen lange nicht mehr benutzt hat, braucht man zwischen vier und acht Sekunden, bis er wieder einfällt. Man sollte sich schwierige Namen, die beim Hören nicht nachvollziehbar sind, buchstabieren lassen oder notieren, und außerdem gibt es die Möglichkeit, Eselsbrücken zu bauen oder mit Bildern zu arbeiten. Bei Menschen, mit denen man oft zu tun hat, ist es allerdings das Beste, sich den Namen schlicht einzuprägen, denn das Aufbauen von Eselsbrücken kostet Zeit und das Rückübersetzen funktioniert nicht immer sicher.

Hier einige Hinweise und Tipps, wie man sein Namensgedächtnis mit ein wenig Übung deutlich verbessern kann:

Noch bevor sich eine Person namentlich vorstellt, sucht man sich an dieser Person ein charakteristisches Merkmal, welches spontan ins Auge fällt, wenn man diese Person betrachtet. Oft sind es Eigenheiten im Gesicht wie ausgeprägte Falten um den Mundwinkel, eine hohe Stirn, ein markanter Scheitel, lange oder fehlende Haare, auffälliger Schmuck oder besondere Kleidung. Wenn man dann den Namen des Menschen erfahren hat, geht es darum, diesen Namen mit dem entdeckten Merkmal zu verknüpfen, wobei der Name für sich genommen noch kein Bild darstellt, muss man den Namen erst  in ein Bild verwandeln. Für das Einprägen von Vornamen kann man sich zunächst gängige Vor- und Nachnamen auf einer Liste zu sammeln und mit Bildern versehen, etwa einen Christian könnte ein Kreuz symbolisieren, einen Thomas eine Tomate oder eine Anna eine Ananas. Wenn nun jemand mit einer großen Nase als  Thomas vorgestellt wird, kann man in Gedanken eine Tomate auf dessen Nase ausdrücken. Vornamen sind meist leichter zu erlernen als Nachnamen, denn es gibt nicht so viele und sie kommen im Sprachgebrauch häufiger vor. Bei Nachnamen ist es manchmal schwieriger, Bilder zu finden, wobei dafür die  Schreibweise eines Namens zunächst keine Rolle spielen muss. Einem Herrn namens Schäfer kann man einen Schafskopf aufsetzen und sich das bildlich so deutlich vorstellen, wie ihm gerade die Haare geschoren werden, einer Frau Weidenholzer verpasst man einen einen Zaun um eine Weide, auf der sie eingesperrt ist. Manchmal kann man einen Namen auch mit einer bekannten Person verbindet, denn sollte man einen Herrn Sarkozy kennenlernen, dann kann ihn mit Carla Bruni in Verbindung bringen, die ihm gerade ein Ständchen singt.

Wichtig ist es auch, einem Namen Aufmerksamkeit  und Interesse zu schenken, man kann bei seltenen Namen nachfragen, woher der Name kommt und was er eventuell bedeutet. Das Interesse hat unter anderem die Wirkung, dass sich der Mensch wahrgenommen fühlt und der Name einem eher im Gedächtnis bleibt. In jedem Fall sollte man in einem Gespräch mit der vorgestellten Person den Namen wiederholen, denn durch die Wiederholung wird auch das Klangbild des Namens bei bewusster wahrgenommen.

Mit einer kleinen Übung, kann man sein Namensgedächtnis trainieren, um dann im Ernstfall rasch reagieren zu können und ein Bild zu finden.  Beim Frühstück kann man bei der Lektüre der Morgenzeitung fünf bis zehn Bilder von Personen herausgreifen und die beschriebene Methode anwenden, indem man sich zu jeder Person eine mentale Brücke baut, die man mit dem Vor- und dem Nachnamen verknüpft. Überprüfen Sie am Abend, wieviele der Personen sie sich namentlich gemerkt haben. Man kann diese Übung übrigens auch als unterhaltsames Spiel betreiben.

Dieser Tipp fand sich übrigens im FOCUS vom 5. April 2014 unter dem Titel „Der Superkleber fürs Gehirn“ 😉 Dort fanden sich ach ein paar Verbilderungsbeispiele für Vornamen:

  • Claudia: Klaut ein Dia.
  • Birgit: Mag sie Bier? Neee, Sie findet Bier igitt!
  • Wiebke: Wippt im Keller. (Ihr Bild für die Endung -ke könnte immer ein Keller sein)
  • Rebekka: Geht mit einem Reh zu Bäcker.
  • Sarah: Macht eine Tour durch die Sahara.
  • Dominik: Steht am Dom und nickt. Oder er spielt Domino und nickt ständig.
  • Oliver: Reibt sich mit Olivenöl ein.
  • Harald: Seine Haare sind alt.
  • Markus: Gibt einer alten D-Mark einen Kuss.
  • Walter: Ein Wal im hohen Alter? Oder: Er ist der, der den Wald teert.




You must be logged in to post a comment.

You must be logged in to post a comment.

free counters

© Werner Stangl Linz 2017