Lerntipp: Edu-Kinestetik

Zwar wird in der Edu-Kinestetik richtiger Weise davon ausgegangen, dass Bewegung eine Grundlage des Lernens ist, denn Bewegung – manchmal durchaus nur geistige oder imaginierte – spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei nachhaltigem Lernen. Es ist auch richtig, dass eine Vielzahl von spielerischen gymnastischen Übungen Spannungen und Stress bei Kindern auflösen können, doch sind die Begründungen für die plakativ benannten Übungen in der Regel an den Haaren herbeigezogen und haben keinerlei Entsprechung in den tatsächlichen Prozessen, die dabei im Übenden ablaufen. So wird postuliert, dass durch solche Übungen „Blockaden zwischen den beiden Gehirnhälften durch die Aktivierung der Körperhälften und die Überkreuzung der Körpermitte gelockert werden, sodass der Lernende einen besseren Zugriff auf seine Kompetenzen erhält“. Bei einer Beckenschaukel benannten Übung „sitzt ein Kind mit angezogenen Beinen auf dem Boden und umfasst mit den Händen seine Knie, führt eine halbe Minute mit dem Becken kreisförmige Bewegungen aus und atmet dabei tief ein und aus“. Wenn man diese Übung – meines Wissens stammt die Beckenschaukel aus der Geburtsvorbereitung bzw. Inkontinenzvorbeugung, bei der man sich allerdings mit den Händen am Boden abstützt – in der beschriebenen Weise versucht, dann wird man wohl kaum sein Becken kreisen lassen können. Beckenkreisen gelingt am besten noch immer im Stehen, wobei das tiefe Ein- und Ausatmen leichter fallen dürfte 😉 Vollends absurd wird es, wenn damit eine bessere „Zirkulation der Rückenmarksflüssigkeit“ erreicht werden soll. Bei der Übung Gehirnknöpfe „liegen Zeige- und Mittelfinger der einen Hand auf dem Bauchnabel, während man mit dem Daumen, den Zeige- und dem Mittelfinger der anderen Hand die kleinen Einbuchtungen links und rechts des Schlüsselbeins am äußeren Rand seines Brustbeins massiert“. Dadurch soll eine Integration beider Gehirnhälften erreicht werden, was natürlich blanker Unsinn ist, denn die Gehirnhälften sind bei keinem Menschen jemals desintegriert  und bedürfen einer Integration. Hier wurden teilweise auch überholte Vorstellungen vom Aufbau des menschlichen Gehirns einfach falsch verstanden. Und bei der Übung Denkmütze „zieht man sich gleichzeitig mit den Händen sanft und vorsichtig die Ohren lang und beginnt dabei am oberen Ohrrand, arbeitet sich langsam bis zum Ohrläppchen vor und zieht dabei immer die Ohren vom Kopf weg, wobei diese Einschaltübung die Aufmerksamkeit auf die Ohren und das Gehör (nona!) lenkt und dabei nebenbei noch mehrere wichtige Akupunkturpunkte aktiviert“. Die hier zitierten Beschreibungen und Begründungen von Übungen finden sich neben zahlreichen anderen in Ratgebern und auf zahlreichen Webseiten, wobei diese durchaus für das kommende Lernen fördernd sein können, schlicht weil sie durch ihren Rhythmus und die Beschränkung auf eine spezifische Bewegung oder Tätigkeit die Gedanken des Lernenden fokussieren.

Unser Tipp: Jeder Lernende sollte sich eigene Übungen zur Einstimmung auf das Lernen ausdenken, etwa zuerst eine halbe Minute mit dem kleinen Finger der linken Hand im rechten Nasenloch bohren und dann diese Tätigkeit vice versa mit dem kleinen Finger der rechten Hand im linken Nasenloch ebenfalls eine halbe Minute ausführen, um für eine bessere Atmung unddamit einer besseren Sauerstoffzufuhr zu den beiden Gehirnhälften zu sorgen, kreuzweise natürlich …

Siehe dazu auch Psychotechnische „Schulen“: Kinesiologie und Edu-Kinestetik, Rechte versus linke Gehirnhälfte, Die Irrtümer der Edu-Kinestetiker und Edu-Kinestetik – ein Flop





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  1. Eine Antwort auf “Lerntipp: Edu-Kinestetik”

  2. Lehrbuch fur Lernen und Lehren mit Technologien (frei olnine lesbar) aufgegriffen. Biblionik geht auf das Kapitel zu Social-Bookmarking-Diensten und Literaturverwaltungs-Programmen

    By Sonei on Feb 19, 2012

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