Archiv für die Kategorie „Kurioses aus der Welt des Lernens“

Training fürs Gedächtnis durch neue IBAN Kontonummern

Sonntag, 1. August 2010
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Millionen Bankkunden in der EU benötigen demnächst ein unfreiwilliges Gedächtnistraining, denn die EU-Kommission hat einen Vorschlag erarbeitet, der vorsieht, dass Banken und ihre Kunden schon ab Ende 2011, spätestens 2012, statt der bisher gewohnten meist achtstelligen Kontonummer nur noch den internationalen IBAN-Code benutzen können. IBAN steht dabei für International Bank Account Number, das ist die 22-stellige internationale Kontonummer, die aus dem Länderkennzeichen (in Österreich AT), der Prüfziffer und der bisherigen Kontonummer sowie Bankleitzahl besteht. Einen solchen 22-stelligen Code für den internationalen Zahlungsverkehr haben bereits jetzt praktisch alle Besitzer eines Girokontos und er steht in der Regel auf allen Kontoauszügen und auf der Rückseite der meisten Bankomatkarten. Bisher war dieser Code schon bei Zahlungen in andere EU-Länder verpflichtend, aber nun wird dieser IBAN-Code auch bei Inlandszahlungen verpflichtend sein.
Acht Ziffern zu merken lag gerade noch im Bereich des Möglichen, doch künftig werden viele Menschen vor den Geldautomaten stehen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, weil ihnen die neue 22 Stellen lenge Kontonummer partout nicht mehr einfallen will. Um mit der EU-weiten Neuerung zurecht zu kommen, müssen wir also die Gedächtnisleistung beinahe verdreifachen, also von acht auf 22 Ziffern. Eine Herausforderung, der Menschen z.B. mit dem leider meist recht wirkungslosen Gehirnjogging begegnen könnten.
Aus der Sicht der Psychologie bieten sich hier verschiedene Merktechniken bzw. Mnemotechniken an, um sich die neuen langen IBAN-Nummern einzuprägen. Die wohl am besten geeignete Methode ist jene, die auch für Zahlen wie Telefonnummern einsetzbar ist: die Übersetzung der Zahlen in Begriffe, die dann in einer Geschichte verpackt eingeprägt werden können. Diese Methode ist verwandt die Methode des Bilderrasters, die einer der verblüffendsten Tricks der Gedächtniskünstler ist, in der sich diese zwanzig oder auch mehr Begriffe zurufen lassen und diese dann sofort in derselben oder auch in verkehrter Reihenfolge wiedergeben können.
Elaborierter ist dann schon das Majorsystem (phonetisches System, Master System oder mnemonisch-phonetisches System), das von vielen Gedächtniskünstlern eingesetzt wird, und eine Kombination aus Zahlen- und Begriffssystem darstellt, das Mitte des 17. Jahrhunderts von Stanislaus Mink von Wennsheim entwickelte wurde.
Alle diese Methoden für das Merken von Zahlen sind auf der Webseite Spezielle Mnemotechniken im Detail beschrieben.
Übrigens: In einem Kommentar in einer deutschen Zeitung findet sich ein guter Tipp: “Schaffen sie sich statt eines Hundes einen jungen Schimpansen als Haustier an. Der erweist sich in dem Fall als besserer Freund des Menschen. Japanische Forscher der Universität von Kyoto haben nämlich herausgefunden, dass der Menschenaffe über ein deutlich besseres Zahlengedächtnis verfügt als der Mensch.” Man stelle sich das nur plastisch vor: Menschen stehen vor dem Geldautomaten und lassen die Kontonummer vom Schimpansen eintippen ;-) Das Gedächtnis der Affen scheint geradezu fotografisch zu sein.

Memotechnik vs Mnemotechnik

Freitag, 9. April 2010
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In den letzten Jahren mit der Propagierung von Gehirnjogging und der in den Medien verbreiteten Angst vor einem nachlassenden Gedächtnis schießen die Ratgeber und Ratgeberinnen wie die Schwammerl aus dem Boden der Vortragssäle. Dabei werden die meist uralten Lerntechniken mit einem neuen Mascherl versehen und unter neuem Namen aus der Geschichte der Gedächtniskunst hervorgekramt und als die ultimative Lösung für ein gutes Gedächtnis angepriesen bzw. um mehr oder minder gutes Geld an die Frau oder den Mann gebracht. Allerdings gelingt es vielen dieser selbsternannten Experten für Gedächtnisleistungen nicht, sich mit ihren eigenen Methoden die richtige Schreibweise für solche Techniken einzuprägen: Mnemotechnik.

Wenn man danach googelt, findet man derzeit (Anfang 2010) etwa 33.200 Einträge für Mnenomtechnik und immerhin schon 15.600 Einträge für Memotechnik – hier scheint sich mit der Verbreitung der Lerntechniken auch der falsch geschriebene Begriff allmählich, schmählich durchzusetzen. Dabei ist im Internet auch eine genaue Erklärung dieses Begriffes zu finden: mnemo (von griech. μνήμη mnémÄ“, „Gedächtnis; Erinnerung“ und τέχνη „Kunst“) ist ein Kunstwort, das seit dem 19. Jahrhundert für ars memoriae und ars reminiscentiae („Gedächtniskunst“) benutzt wird, meist gleichbedeutend mit Mnemonik (griech. μνημονικά).

Vielleicht hilft ja ein Stoßgebet als Merksatz: Mnemosyne hilf!

In den Medien und Vortragssälen tauchen diese alten Mnemotechniken übrigens auch unter so blumigen Namen wie “5 Sterne Methode” oder “Briefkästen im Gehirn” auf. Berichtet wird dann von den begeisterten Zuhörern, die nun die letzten zwölf Präsidenten der USA oder die neuen sieben Weltwunder nennen können. Oder aber in Hinkunft auf ihren Einkaufszettel verzichten werden …

Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnik (10-04-10)

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNTECHNIK/

Mnemotechnik.shtml (10-04-10)

Kurioses aus der Welt des Lernens

Mittwoch, 4. November 2009
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Seit einiger Zeit finden sich im Internet sehr viele Angebote, die sich mit dem Thema Lernen beschäftigen. Viele davon arbeiten mit einem kostenlosen Newsletter, in denen sie in der Folge in regelmäßigen Abständen ihre meist mehr oder minder nützlichen Tipps, meist in Form von eBooks, verkaufen wollen. Gegen Bares, versteht sich. In diesen Broschüren werden die klassischen Mnemotechniken in immer wieder neuen Formulierungen und Aufbereitungen an die Frau oder den Mann gebracht.

Beliebt ist dabei besonders die Die Forum-Romanum-Methode, die zwar von den meisten Lerngurus immer wieder zum Erstaunen des Publikums propagiert wird, aber für das “normale” Lernen etwa in der Schule oder im Beruf meist praktisch unbrauchbar ist.

Oft werden dann in solchen Werbebriefen auch Verbindungen zu anderen psychologischen Domainen hergestellt, etwa zur Persönlichkeitspsychologie. Das folgende Beispiel stammt von einem besonders “hartnäckigen” Schreiber, wobei hier meist mit den Mitteln der Marktschreierei bzw. TV-Werbekanäle die Produkte mit wie “Letzte Chance”, “Nur noch wenige Exemplare verfügbar” oder “Aus besonderem Anlass bieten wir speziell Ihnen als treuem Kunden …” gearbeitet wird. Ein besonders kurioser Newsletter ist heute im Postfach einer meiner Studentinnen aufgetaucht, den sie mir dankenswerter Weise weitergeleitet hat.

Viel Spaß beim Verbessern Ihrer Persönlichkeit und der Orthographie!

Hallo Musterstudentin,
um aus sich eine gute Persönlichkeit zu machen sollten Sie 10 Punkte beachten. Diese Punkte können Sie sich mit folgender Bildassoziation verinnerlichen:
“Auf dem Boden liegt ein Fels. Auf dem Fels ist ein Namensschild eingesteckt. Es stehen zwei Personen auf dem Fels die sich die Hand geben. Eine Person hält ein Mikrofon in der Hand. Auf das Mikrofon ist ein Telefon angeleihmt. Durch die Muschel des Telefonhörers geht eine Rakete hindurch. Der Raketenspitz ist ein trauriger Kinderkopf. Der Kinderkopf hat anstatt Haare, Tirigentenstäbe. In den Tirigentenstäben ist ein hölzernes Kreuz eingelegt. Auf dem Holzkreuz ist eine Zielscheibe angeleihmt.”

Fels = Selbstsicherheit
Namensschild = Namenserinnerung / Gedächtnis
Zwei Personen = Zwischenmenschliche Beziehungen
Mikrofon = Kommunizieren
Telefonhörer = Zuhören / Geistesgegenwart trainieren
Rakete = Begeisterung
Trauriges Kind = Sorge / Probleme / Konflikte bewältigen
Tirigentenstäbe = Führungseigenschaften. Andere motivieren / bestärken
Hölzernes Kreuz = Positive Haltung + nicht negativ –
Zielscheibe = Zielorientiert, vorwährtsgehen

Viele Grüsse
Ihr LernTrainer

Jan Kuonen