Anker gegen das Vergessen



Schwierigkeiten, bestimmte Erinnerungen abzurufen, sind bis zu einem gewissen Grad normal und nicht besorgniserregend, solange diese Probleme nur ab und an auftreten. Das Gedächtnis ist kein statisches Gebilde, denn die Verknüpfungen zwischen einzelnen Gedächtnisinhalten unterliegen einem ständigen Wandel, neues Wissen wird eingebaut, alte Informationen werden verändert oder in den Hintergrund gedrängt. Schon allein indem eine Erinnerung abgerufen wird, verändert sie sich., d.h., Menschen erinnern sich im Grunde nie zweimal an genau dasselbe. Dieses partielle Vergessen hat verschiedene Ursachen, so haben etwa die Gefühle eines Menschen und die aktuelle Situation einen Einfluss auf das Erinnerungsvermögen. Auch Stressbelastung kann zu einem geminderten Erinnerungsvermögen führen, ebenso Müdigkeit oder mentale und physische Erschöpfung. In der Regel beeinträchtigen solche Umstände die kognitiven Fähigkeiten nur für eine begrenzte Dauer. Auch Krankheiten schwächen nicht nur den Körper sondern oft auch das Erinnerungsvermögen, so können Depressionen, ein schlecht eingestellte Erkrankung wie Diabetes, Fieber, Infektionen, Demenzerkrankungen oder Durchblutungsstörungen des Gehirns das Gedächtnis beeinträchtigen. Aber auch Medikamenten schränken ihrerseits kognitiven Leistungen ein, genauso wie Alkohol und Drogen, die das Gedächtnis aber nicht nur kurzfristig beeinträchtigen, sondern das Gehirn dauerhaft schädigen können (vgl. Soutschek, 2011).

Manchmal wenn man unterwegs ist hat man gute Ideen, aber keine Möglichkeit, diese z.B. in schriftlicher Form festzuhalten und dann vergisst man diese Einfälle ebenso schnell, wie sie gekommen sind. Dagegen helfen Anker, also ein Gegenstand, den man angreifen kann. Klassisch ist der Knoten im Taschentuch, aber es kann auch ein bestimmter Mantelknopf sein. Wenn man diesen später erneut angreift, fällt einem der Einfall wieder ein. Wenn man sich aber sehr viele verschiedene Dinge merken muss, ist es oft besser, stets einen Bleistift oder Kugelschreiber mit einem Notizblock, Klebezetteln oder einen Taschenkalender mitzuführen. Auch ein Handy mit einer Diktierfunktion kann gute Dienste leisten.

Die Wichtigkeit des Vergessens

Übrigens ist Vergessen ist auch ganz wichtig, denn es gehört zur Psychohygiene dazu, wenn Menschen Vergangenes in ihrer Erinnerung schönfärben oder Fehltritte und Krisen teilweise vergessen. Nur durch diese Form des Vergessens – es kann durchaus auch ein gesundes Verdrängen sein – kann man sich mit Vergangenem, das man ja doch nicht mehr ändern kann, versöhnen und Neuanfänge wagen. Der Mensch wandelt sich schließlich im Lauf seiner Biografie, denn wenn alles wie einem Protokoll im Gedächtnis festgehalten würde, dann besteht die Gefahr, dass man selbst und auch andere Veränderungen und Wandlungen gar nicht mehr wahrnimmt und das Leben und somit die Biografie als  Aneinanderreihung von Einzelfakten missversteht. Die menschliche Biografie entsteht  immer wieder neu und die Bedeutung von vergangenen Ereignissen wandelt sich ständig im Lichte neuer Erlebnisse und Erkenntnisse. Das bedeutet schließlich, dass sich Menschen ständig neu erfinden.

Quellen:
Soutschek, S. (2011). Vergesslichkeit – bis zu einem gewissen Grad normal. Apotheken Umschau.
Stangl, W. (2008).Vergessen.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen.shtml (11-03-21)





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© Werner Stangl Linz 2017